Fasnacht in Bietigheim

Der Versuch einer Rekonstruktion (1)

Das Thema als solches ist, auch nach heutigem Stand, nur in groben Umrissen zu behandeln.

 

Als der Verfasser in den Jahren 1978 bis 1983 in der Stadt, auf der Suche nach Spuren der Bietigheimer Fasnacht, sich umhörte, da wurde er zu Anfang mehrfach mit Aussagen wie „Des hot’s bei ons no nia gäba!“, „Des gibt’s bei ons erscht seit noch em Kriag.“ und ähnlichen konfrontiert.

 

Außer dem Hinweis auf eine Fasnachtshenne1 war zunächst keinerlei Hinweis auf Fasnacht in irgendeiner Form zu finden. Aber immerhin war diese Erwähnung der erste Hinweis, daß es auch in Bietigheim den Begriff Fasnacht gegeben haben mußte.

 

Nachforschungen im Stadtarchiv ergaben dann eine erstaunliche Entdeckung: In den Stadtstatuten von 1544 wird ausdrücklich die ‘Fasnacht’ als eigenständiger Begriff erwähnt:

 

 „Item mit Hochzeit, Faßnacht unnd Kirchweyhin soll so gehallten werden, wie Unseren Genedigen fürstem und Herrn Landtordnung ußweiset.“ 2

 

Diese hier erwähnte ‘Landordnung’ stammt aus dem Jahre 1536 und lautet im entscheidenden Punkt wie folgt:

 

 „Dieweil auch das Mommen und die Butzenkleyder, sonderlich die, da sich frawen in manns, und manns in frawenkleyder verstellen, vor Gott ein großer Grewel ist, auch viel Schandt und Laster darunter geschicht, So verpieten Wir ernstlich das nyemandt, nimmer zu keyner Zeit, des jars, mit verdeckten angesichten oder in butzen Kleydern geen soll, bey straff des thurns“ 3

 

Jetzt wurde die Sache allmählich spannend! Warum wird etwas verboten, das es eigentlich noch nie gegeben haben soll? Warum wird hier ein Begriff erwähnt, der angeblich in Bietigheim nicht bekannt gewesen sein soll?

 

Die Antwort finden wir in der Geschichte. Die Reformation nach der Rückkehr Herzog Ulrichs (1534) war die Ursache für allerlei Neuerungen und Neu-Regulierungen, besonders im geistlichen Bereich. Da jedoch das tägliche Leben vom geistlichen und religiösen Leben nicht getrennt gesehen werden kann, sondern im Gegenteil von diesem geprägt und beeinflußt wurde, wurden eben auch hier Neuregelungen als notwendig erachtet und eingeführt.

 

1544 wurde das Bietigheimer Stadtstatut eingerichtet, basierend auf der Landordnung von 1536. Nun war der ‘sittliche Ernst’ der Reformation schriftlich niedergelegt. Zudem wurden die hier enthaltenen Reglementierungen streng überwacht: Regelmäßiger Kirchgang, wiederholter Wirtshausbesuch am gleichen Tag, Zechen nach Einbruch der Nacht etc. - alles wurde überwacht und Übertritte streng geahndet. Unter dieses strenge Reglement fiel, neben der Reglementierung des Tanzens, Handhabung bei Fluchen in der Öffentlichkeit, dem Betteln usw., eben auch die Fasnacht.

 

Somit wäre zumindest die erste urkundliche Erwähnung der Fasnacht in Bietigheim geklärt. Wie aber steht es mit dem Brauch, also dem tatsächlichen Begehen oder Feiern der Fasnacht, selbst?

 

Tatsächlich muß es bereits zwischen 1536 (dem Erlaß der Landordnung) und 1544 (Erstellung der Stadtstatuten) eine Handhabung der Landordnung gegeben haben, denn wir finden 1538 ein Gerichtsprotokoll5 , in welchem die restriktive Handhabung dieser neuen Landordnung deutlich wird:

 

Freitag nach Februarii    

 

Im Han[del] zwischen dem Vogt an statt unseres G[nädigen] F[ürsten und] H[errn] ainer und Symon Späthen und Jungen Martin Spengler Bartolomene Ranker tails, haben Wir nach lag, antwort und wider red, Nach kundtschaffft und allem hernach mit urtail Zu Recht erkant und gesproch Das baid antwurtt mitainand unserem G[nädigen] H[errn] ain klainen frevel vburh (?) und Zahlen, In dem Symon Späth von wegen das er ain Mumschanz uffbotte + (umb das er den stubengesellen in ihrer stuben recht wellen hofferten) ain unrecht zahlen und dan für baid mitainand den zweithe noch gebe und zahlen, Weiter Symon Späthen umb das, das er unseren G[nädigen] H[errn], bott sacht, ain tag und nach(t) Im thurn büssen,

 

Wir haben gesehen, daß die erste Erwähnung der Fasnacht in den Stadtstatuten eher die Regelung eines Verbots als ein Verbot an sich ist. Nun, beschlossen wird viel - die Einhaltung dieser Beschlüsse ist eine andere Sache (siehe oben).

 

Das nächste Mal treffen wir 1552 auf ein ähnlich geartetes Gerichtsprotokoll:

 

1552      Freitag  nach Estomihi

 

In der verkündigung zwischen dem vogtamts verweser anstatt unseres G[nädigen] F[ürsten und] H[errn] klag ainer, und das Ruprecht Volz, Hans Knorr, Martin Kremer und Marx Kremer aufweiter anderer nicht, verbotte Mumerey und unmüßig beinand, Habe die Richter nach lag antwort und wider red, Und alle ehrlich fürbiet mit urtail zu wahr erkent und gesprochen, das die ufmükrer all vier sollen 2 tag und 2 necht mit wasser und brott Im thurn am boden gestrafft werde, und sollen all vier auch in gemain uffzeicht  und Zahlen ain gericht gellt,

 

Auch hier ist die restriktive Handhabung der (inzwischen wirksamen) Stadtstatuten deutlich erkennbar. Dennoch liegen uns derzeit nur diese beiden Protokolle vor. Woran liegt das?

>> weiter

 

1 H. Roemer, Geschichte der Stadt Bietigheim, S. 192

StaBB

3 1536

StaBB, H. Roemer, Geschichte der Stadt Bietigheim, S. 101

StaBB, H. Roemer, Geschichte der Stadt Bietigheim, S. 104

 

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