CVB Wobachspatzen 60 e.V. Bietigheim-Bissingen
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Fasnacht in Bietigheim

Der Versuch einer Rekonstruktion (3)

Die nächsten Unterlagen stammen aus den Jahren um die Jahrhundertwende (hier 1908/09), wo mittlerweile jeder Verein, der etwas auf sich hielt, in der Vorfasnachtszeit und auch während der Fasnacht mindestens eine närrische Veranstaltung (Maskenball, Redoute, Narrenkappenabend, karnevalistisches Konzert etc.) ausrichtet und dafür auch in der Zeitung wirbt. Die Reporter der Zeitung berichten auch wohlgefällig über gut gefüllte Säle und auch die Anwesenheit der ‘Obrigkeit’, Bürgermeister, Stadträte usw., werden entsprechend gewürdigt.

Ein weiteres Zeugnis für fasnachtliche Aktivitäten finden wir für 1939. In ihren Erinnerungen berichtet Alice Möller-Trinkle über einen Kinderfasching  im Saal der Krone-Post. Diese Veranstaltung, die vom ‘Städtischen Fremdenverkehrsverein’ ausgerichtet wurde, wartete nicht nur mit einer Garde, sondern auch mit einem Hofstaat auf. Zu diesem Hofstaat gehörte, neben einem Zeremonienmeister und einem Hofnarren, auch ein Prinzenpaar, nämlich Prinz Klaus I. zu Enzberg-Stragula sowie Prinzessin Waltraud vom Aurain. Höhepunkt war, auch schon damals, eine Polonaise mit Kostümprämierung, wobei als Preisrichter die Kunstmaler Hohly und Rombach fungierten.

 

Die Fasnet in Bietigheim hätte sich also durchaus wieder erholen können, wäre nicht die Entwicklung durch den Weltkrieg wiederum unterbrochen worden. ABER - schon drei (!) Jahre nach Kriegsende muß irgendetwas oder irgendjemand einen Grund zu folgender Bekanntmachung der Stadt Bietigheim gegeben haben:

 

 „Das Landratsamt empfiehlt ... Fasnachtslustbarkeiten, die dem Ernst der Zeit nicht angemessen sind ... zu verbieten. Der Gemeinderat beschließt ...

 

§ 1 :        Jedes Fasnachtstreiben auf öffentlichen Straßen und Plätzen ist verboten. Das Tragen von Gesichtsmasken ist auch in öffentlichen Lokalen verboten.

§ 2 :        Diese Anordnung ... vom Landratsamt tritt am 14.1.1948 in Kraft.“

 

Trotzdem gab es in zunehmendem Maße wieder ‘närrische’ Veranstaltungen, wobei hier als ‘Zentren‘ des närrischen Treibens die Gaststätte ‘Zur Eisenbahn’ und die fast immer überfüllte Aurainhalle zu nennen sind. Aber nicht nur die örtlichen Vereine waren in dieser Richtung aktiv, auch die hiesige Gastronomen betätigten sich in der selben Richtung: Kaum ein Lokal, in welchem nicht mindestens ein Hausball stattfand! Die Zeit des Wiederaufbaus war auch die Zeit eines langsam erstarkenden Fasnachtsinteresses, das, dank der vielen neuzugezogenen Mitbürger, noch weitere Namen bekam: Fasching, Karneval, Fassenacht etc.

 

Hier darf auch ein Bissinger Original nicht vergessen werden, der der eigentliche Vater der ‘wiederbelebten’ Fasnacht sein könnte: Der Bissinger Schneidermeister Albert Höfer, genannt „Höfers Bock“. Er organisierte bereits Mitte der Dreißiger Jahre in eigener Regie und ganz spontan am Fasnachtsdienstag kleine ‘Umzüge’. Diese Tradition behielt er bis in die 50er Jahre bei, wobei er durch die Kapelle des Musikvereins und durch seine ‘Fans’ unterstützt wurde. Berichte sprechen von über 150 Umzugsteilnehmern, die hinter den Schwellköpfen des Herrn Höfer marschiert seien, obwohl die Herren Pfarrer alles daran setzten, diese ‘Kinderverführung’ zu unterbinden....

 

Wichtig war jedoch, daß wieder gefeiert wurde, egal unter welche Bezeichnung. Es lag daher nahe, daß einige Bürger, die das ganze Jahr ‘narret’ waren, über Verbindendes und Gemeinsames nachdachten. Zudem taten Übertragungen von Rundfunk und Fernsehen ein Weiteres, das Interesse an Fasnacht weiter zu wecken. Die Gründung einer Fasnachtsgesellschaft lag in der Luft ...

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